Freitag, 12. November 2021

100 Jahre Osterrieder Krippe - 1. Advent 17 Uhr

Buchvorstellung

Buchvorstellung - Präsentation ausgewählter Krippenfiguren - adventliche Abendmusik

Am 1. Adventssonntag, 28. November um 17.00 Uhr stellt Dr. Helmuth Bischoff sein Buch "Weihnachtskrippen in der Pfalz" vor mit Präsentation einzelner historischer Figuren der 100jährigen Osterrieder Weihnachtskrippe und stimmungsvoller Adventsmusik. Der Verein der Freunde der Marienkirche unterstützt diese Feier anlässlich seines 20jährigen Bestehens.

Tickets hier: www.kirchelandau.de/tickets

im Livestream: www.youtube.com/c/marienkirchelandau

"Krippenwastl" beliefert Kaiser und Papst und die Marienkirche

Eine Weihnachtskrippe gehört in jede Kirche. Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes wird so erfahrbar, greifbar. Mit der Weihe der Marienkirche 1911 war die Innenausstattung noch lange nicht komplett, vielmehr galt es über Jahrzehnte hinweg, die verschiedenen Ausstattungsstücke anzuschaffen. Anfang der 1920er Jahre gewann die Überlegung, eine zur Kirche passende, repräsentative Krippe in Auftrag zu geben an Gestalt.

Zu dieser Zeit empfahl Dr. Georg Hager, Generalkonservator der der Kunstdenkmale Bayern und später Direktor des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, einen Münchener Künstler, der es in meisterhafte Weise verstehe, Weihnachtskrippen für Kirchen zu schaffen: Sebastian Osterrieder (1864-1932). Der Akademische Bildhauer, der sein Atelier in der Georgenstraße 113 in München nahe der Josefskirche in Schwabing hatte, belieferte alles was Rang und Namen hatte mit Krippen: bedeutende Kirchen, den Deutschen Kaiser und Papst Pius X. Bald trug er den Spitznamen „Krippenwastl“.

In den Beständen des Pfarrarchivs ist die Korrespondenz mit Osterrieder, relativ später, erst ab Oktober 1921 nachweisbar. Zugleich wird deutlich, dass Pfarrer Martin Wothe einen Mittelsmann vor Ort hatte, oder in diesem Fall besser eine „Mittelsfrau“, die Oberin des Instituts der Englischen Fräulein. Die wie aus den Akten hervorgeht häufiger nach München ins Mutterhaus fuhr und die Arbeiten Osterrieders kannte. Der Bildhauer sprach gegenüber Wothe im Brief vom 7. November 1921 von der Oberin als einer „sehr kunstverständigen“ Frau. Zugleich erteilte sie persönlich im Auftrag des Pfarrers den Auftrag für die „historische Krippe“.

Ursprünglich war die Krippe 3 ¾ m breit 2 ½ m tief, hinter der Krippe war ein ca. 2 m hohes Diorama angebracht, das Bethlehem darstellte. Die Kosten waren samt Unterkonstruktion für den Krippenaufbau und allem Zubehör auf 25.000 M veranschlagt, wobei sich bei diesem Preis schon die Inflation der frühen 1920er Jahre abzeichnet (Durchschnittseinkommen 1921: 9.972 Papiermark). Der Betrag wurde vor allem durch die Mitglieder vom Dritten Orden des hl. Franziskus und durch die „Opferfreudigkeit anderer frommer Seelen“ ermöglicht.

Am 13. Dezember wurden die zwölf Kisten in München vom Spediteur abgeholt und Osterrieder unterrichtete Pfarrer Wothe, dass die Versendung der Krippe morgen „in aller Frühe per Eilfracht weiter“ gehe. Doch einige Figuren konnten bedingt durch die Kürze der Zeit noch nicht geliefert werden: die Könige und einige Pferde. Osterrieder legte Wert darauf, dass die Figuren genau wie auf dem beigefügten detaillierten Plan Aufstellung finden sollten. Eine zusätzliche Lieferung ging am 22. Dezember in München ab, da Osterrieder, wie er selbst schrieb „in der Eile“ das „Hirtenfeuer, die stehende Ziege, Stäbchen“ und „den sitzenden Araber“ vergessen hatte.

Ende des Jahres, am 29. Dezember, wurde die letzte Kiste in die Pfalz geschickt, um die Krippe zum Dreikönigstag umbauen zu können. Osterrieder dazu: „bei den vielen Modellen, wovon jedes so viel Handarbeit erfordert, war es trotz größten Fleißes nicht möglich, schneller damit fertig zu werden.“ Er habe nur knapp die erhaltenen Aufträge vor dem Weihnachtsfest ausführen können.

Auf der Schlussrechnung vom 29. Januar 1922 notiert Pfarrer Martin Wothe, dass die komplette Krippe mit Transportkosten 28.227,60 M gekostet habe.

Da die Materialien in denen Osterrieder arbeitete, wie Leimmischungen und Stoffe nicht sonderlich haltbar sind und die Krippe durch den Bombentreffer auf die Sakristei Ende des Zweiten Weltkrieges beschädigt wurde, fanden vor allem ab Mitte der 1990er Jahre in drei Abschnitten eine umfassende Restaurierung durch Hermann Frübis (Neustadt-Königsbach) statt. Im Bewusstsein des hohen kulturellen Wertes der Krippe beteiligte sich die Stadt Landau damals auch mit einem namhaften Betrag an den Arbeiten.

Eine schöne Würdigung der Osterrieder-Krippe der Marienkirche brachte zum Weihnachtsfest 1921 die Tageszeitung „Der Rheinpfälzer“: Es handele sich nicht um eine „Phantasiekrippe“, die bloß einen „Heuschuppen“ darstelle. Vielmehr sei das Werk „hervorgegangen aus der Hand eines Künstlers, der selbst mit frommem Sinn die heiligen Stätten besuchte, die Geschichte in Erwägung zog, Land und Leute, Sitten und Gebräuche des Morgenlandes studierte“.

„Das Kleinkind, das Schulkind staunen und bewundern die herrliche Darstellung, der Erwachsene sieht und fühlt mehr. Diese Krippe ist eine gewaltige Predigt: Ich glaube an einen Herrn Jesus Christum, Gottes eingeborenen Sohn, welcher wegen uns Menschen und um unseres Heiles Willen herabgestiegen ist vom Himmel und durch den Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist.“

Text: Kaplan Dr. Dominik Schindler